Augsburger Bekenntnis

Der Kirchengemeinderat Heiningen hat sich mehrfach mit Artikel 16 des "Augsburger Bekenntnisses" beschäftigt. Eine Arbeitsgruppe hat aus verschiedenen Entwürfen einen Text zusammengestellt, wie wir den Artikel 16 heute verstehen sollten. Dieser Text wird in das Gesangbuch eingeklebt:

Neue Interpretation von Artikel 16 des "Augsburger Bekenntnisses" (CA 16)

Mit dem "Augsburger Bekenntnis" bekundeten die Theologen der Reformation die Übereinstimmung ihrer Lehre mit der Heiligen Schrift und mit den grundlegenden Bekenntnissen der Alten Kirche.


Der Artikel 16 bejahte entschieden die gesellschaftliche und politische Verantwortung der Christen. Scharf abgegrenzt hat man sich deshalb von den radikalen Strömungen der Reformation, die im Blick auf das nahe Weltende jede weltliche Ordnung und selbst Ehe und Eigentum als unchristlich ablehnten.


Das Verdammungsurteil des "Augsburger Bekenntnisses" traf aber auch die evangelische Minderheit, die unter der Berufung auf die Bergpredigt Jesu nicht bereit war, Kriegsdienst zu tun oder einen Eid zu schwören.


Pazifistische Gemeinden wie die Mennoniten und die Quäker, die heutigen Friedenskirchen, wurden im 16. und 17. Jahrhundert auch in evangelischen Landen von Kirche und Staat verfolgt. Die Fürsten aber sahen in der Formulierung "rechtmäßig Kriege führen" eine grundsätzliche Rechtfertigung des Krieges als legitimes Mittel der Politik.


Erst die Schrecken des zweiten Weltkrieges und der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki führten die evangelischen Kirchen zu einer Wiederentdeckung der politischen Botschaft der Bergpredigt. "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein", formulierte 1948 die Weltkirchenkonferenz von Amsterdam.


Wir Christen im 21. Jahrhundert stehen in der Nachfolge Jesu Christi.
Er ruft uns auf den Weg der Gewaltfreiheit. Christen sollen Konflikte gewaltfrei lösen. Sie treten ein für einen gerechten Frieden.


Wir haben als Christinnen und Christen Verantwortung für das Gemeinwesen. Wir verstehen uns nicht mehr als Untertanen einer Obrigkeit, sondern nehmen unsere Verantwortung wahr als selbstbestimmte, freie Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie mit vielfältigen Beteiligungsmöglichkeiten.
 
 
Originaltext:

Artikel 16: Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment


Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment wird gelehrt, dass alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung sind, die von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und dass Christen ohne Sünde in Obrigkeit, Fürsten- und Richteramt tätig sein können, nach kaiserlichen und anderen geltenden Rechten Urteile und Recht sprechen, Übeltäter mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen, in ihnen mitstreiten, kaufen und verkaufen, auferlegte Eide leisten, Eigentum haben, eine Ehe eingehen können usw.


Hiermit werden die verdammt, die lehren, dass das oben Angezeigte unchristlich sei. Auch werden diejenigen verdammt, die lehren, dass es christliche Vollkommenheit sei, Haus und Hof, Weib und Kind leiblich zu verlassen und dies alles aufzugeben, wo doch allein das die rechte Vollkommenheit ist: rechte Furcht Gottes und rechter Glaube an Gott. Denn das Evangelium lehrt nicht ein äußerliches, zeitliches, sondern ein innerliches, ewiges Wesen und die Gerechtigkeit des Herzens; und es stößt nicht das weltliche Regiment, die Polizei (Staatsordnung) und den Ehestand um, sondern will, dass man dies alles als wahrhaftige Gottesordnung erhalte und in diesen Ständen christliche Liebe und rechte, gute Werke, jeder in seinem Beruf, erweise. Deshalb sind es die Christen schuldig, der Obrigkeit untertan und ihren Geboten und Gesetzen gehorsam zu sein in allem, was ohne Sünde geschehen kann. Wenn aber der Obrigkeit Gebot ohne Sünde nicht befolgt werden kann, soll man Gott mehr gehorchen als den Menschen.