Michaelskirche Heiningen

v.l.: Sakristei und Chor, Innenraum, Taufstein.

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Unser Ort, unsere Kirche

Heiningen ist mit seinen großen Siedlungen rund um den Ortskern heute eine Gemeinde mit über 5000 Einwohnern. Ein Gang durch den Ort mit geschärftem Blick weist darauf hin, dass dieser Ort vor 60-70 Jahren nur wenige hundert Einwohner hatte. Dennoch hat Heiningen als Ort schon früh beachtliche Bedeutung gehabt - oder hätten Sie gewusst, dass es einst bedeutsamer war als Göppingen?

 

Um 1200 gehörte die alemannische Ortsgründung Heiningen den Herzögen von Teck, kurze Zeit auch den Grafen von Helfenstein. Vermutlich war die Hausburg des Ortsadels auf dem Lotenberg.

 

Heiningen war aufgrund der verkehrsgünstigen Lage am Albaufstieg Dekanatsort der Diözese Konstanz. 1284 wurde es unter Kaiser Rudolf von Habsburg zur Unterstützung der Herzöge von Teck gegen die Grafen von Württemberg mit dem Stadtrecht versehen. Schon 1321 wurde Heiningen an den Grafen Eberhard I. von Württemberg verkauft, es konnte sich neben Göppingen als Stadt nicht mehr entwickeln.Von der ganzen "Stadtherrlichkeit" ist nur der freitägliche Wochenmarkt geblieben. Er allerdings ist noch heute ein wichtiger örtlicher Treffpunkt. Erzeugnisse aus ökologischem Landbau werden angeboten, Obst und Gemüse aus der Region.

 

Ohne seine Bedeutung im Mittelalter wäre Heiningen wohl auch nicht zu seiner großartigen Kirche gekommen. Wenn Sie in der Ortsmitte eine gemütliche Pause einlegen möchten, können Sie unbeschwert im ummauerten Kirchhof der ehemaligen Wehrkirchenanlage unserer Michaelskirche auf sonnigen und schattigen Bänken Platz nehmen. Michaelskirchen wurden oft auf etwas erhöhten Plätzen gebaut, meistens über einem alten germanischen Heiligtum. Der Drachentötende Michael stellt die Überwindung der alten heidnischen Religion dar.

 

In Verbindung mit dem Chorherrenstift Faurndau war die durch die Alemannen gegründete Michaelskirche um 1275 Dekanatskirche, um 1393 kam Heiningen in den Besitz des Prämonstratenserklosters Adelberg, 1398 wurde die Kirche mit Freskomalerei versehen.


1493 begann eine rege Bautätigkeit, das Pfarrhaus wurde erbaut, der alte Chor abgetragen und 1514 ein neuer zusammen mit der Sakristei fertiggestellt. Ein schon geplanter Hochaltar wurde nicht mehr verwirklicht Der Bauernkrieg und die Einführung der Reformation in Württemberg unterbrachen die Baugeschichte. Ab 1535 ist Heiningen eine evangelische Gemeinde.

 

Die Michaelskirche ist künstlerisch ein Kleinod. Ein Blick hinein lohnt sich, nicht nur wegen des spätgotischen Chores, des geschnitzten Kruzifixes, des achteckigen Taufsteines. Vor allem ist die Freskomalerei beeindruckend. Besonders schön, eine Christopherusdarstellung, eine seltene Kreuzannagelung von 1398 und ein sogenannter "volto santo", eine Kreuzigungsdarstellung mit einem bekleideten Christus. Vermutlich stammt sie von einem italienischen Wandermaler. Leider kann eine Ölberggruppe der Ulmer Schule nicht mehr in der Kirche oder im Kirchhof bewundert werden, ein kläglicher Rest ist im Württembergischen Landesmuseum erhalten, u.a. auch ein kreuztragender Christus.

 

Im Kirchturm hängen drei Glocken, darunter eine alte Marienglocke, die bis 1731 als Sturmglocke in einem Wehrturm hing, sicher vor 1350 gegossen; geläutet werden zwei Glocken von 1493 und 1612.


Ein Besuch des Gottesdienstes lässt Sie auch die Orgel hören. Sie wurde 1986 erneuert. Der neugotische Prospekt der im romantischen Stil klingenden Orgel wurde bei der Renovierung erhalten. Einige Register stammen noch aus der Zeit um 1860.

 

 


Zum Nachlesen und Herunterladen:
Ausführliche Beschreibung der Kirche
(aus: Jahresheft des Geschichts- und Altertumsvereins Göppingen, 3. Folge 1962)