Bildbetrachtung Maria

Dreipass "Maria mit dem Christuskind" im Chor der Michaelskirche Heiningen.

Maria mit dem Christuskind

Die Michaelskirche ist ein künstlerisches Kleinod. Sie hat viele versteckte Kostbarkeiten. Eine davon ist z.B. der sogenannte gotische Dreipass "Maria mit dem Kind" im Sternennetzgewölbe des Chores. Er stammt aus der Zeit, als das Kloster Adelberg den Chor an das romanische Kirchenschiff anbaute, also aus dem 14. Jahrhundert. Es ist das einzig "Weihnachtliche" in der Michaelskirche. Wir sehen Maria und das Christuskind. Maria hat eine Krone auf. Sie hat langes, herunterhängendes Haar. Sie ist die "regina coelis", die Himmelskönigin. In ihren Armen hält sie das nackte Christuskind. Mit der linken Hand hält sie das Kind fest. Sie gibt ihm Sicherheit. Mit der Rechten berührt sie es zärtlich. Sie drückt damit Wertschätzung aus.


Normalerweise würde eine so warm angezogene Mutter nie ihr Kind so nackt halten. Sie würde das Kind mit ihrem Mantel wärmen. Das nackte Kind stellt ein kirchliches Dogma dar: Gott wird Mensch, Christus ist "vere homo", der wahre Mensch, nackt, verletzlich, abhängig von der Liebe einer Mutter. Maria hält das Kind nicht, sie "präsentiert" es. Auffällig ist, dass sie das Kind gar nicht richtig ansieht. Jedes normale Kind braucht aber den Augenkontakt, das Leuchten des Angesichts der Mutter über sich.


Das Kind hält seine Mutter umschlungen und greift wie ein Kleinkind in ihren Mantel, der ihre Hoheit symbolisiert. Blau, rot, grün sind die Farben dieses Dreipasses, das Blau des Himmels und der Himmelskönigin, das Rot der Liebe und das Grün der Hoffnung. Dieses Kind ist Hoffnung für die Welt.


Maria ist von einem goldenen Strahlenkranz umgeben, sie ist das "Weib mit der Sonne bekleidet" (Offb. 12,1). Sie ist die Frau, die ihr Kind gebiert im Angesicht des Bösen in der Welt, ein Akt der Hoffnung.

 

Pfarrer Harald Wagner