Bildbetrachtung "Volto Santo"

Volto Santo

Auf der Empore der Michaelskirche an der Nordwand hinter den Bänken befindet sich eine besonders wertvolle Kreuzigungsdarstellung. Sie ist direkt unter der Szene der Kreuzannagelung gemalt. Man nennt diese Form der Kreuzigungsdarstellung "Volto Santo" - Heiliges Antlitz. Leider ist das Gemälde durch den Fußboden der Empore durchschnitten. Der untere Teil wurde nicht freigelegt.


Wir sehen einen lebendigen Christus. Er schwebt aufrecht am Kreuz. Seine Arme sind horizontal ausgerichtet. Er ist bekleidet mit einer Ärmeltunika. Der "Volto Santo" geht auf das sogenannte "Parousiekreuz" zurück. Es verbindet den Kreuzestod Christi mit der himmlischen Herrschaft des Auferstandenen. "Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden".


Es ist also eine Art "österliches" Kreuz. Christus hat eine Gloriole, einen Lichtschein um den Kopf: "Ich bin das Osterlicht der Welt". Seine Arme sind zum Segen ausgebreitet: "Gottes Segen über diese heillose Welt. Gottes Segen über diese Erde, deren Antlitz von Gewalt entstellt ist" (Bonhoeffer). Die leise Botschaft dieses Bildes ist also: Der Gekreuzigte ist der segnende, österliche Herr der Welt. Der "Volto Santo" hat sein Urbild in Lucca / Italien. Dort ist es ein großes Holzkruzifix. Die Legende sagt, Engel hätten das Gesicht geschnitzt.

 

Pfarrer Harald Wagner