Gemeindereise 2018 zum CVJM Ostjerusalem

Im Februar 2018 folgten Mitglieder des ökumenisch ausgerichteten Palästina Arbeitskreises in Heiningen der Einladung des CVJM (YMCA) Ostjerusalem (EJ) und reisten als Gruppe von dreizehn katholischen und evangelischen Gemeindegliedern vom 18. bis 24. Februar 2018 in das palästinensische Westjordanland.

Als ökumenische Gruppe aus dem überschaubaren und friedlichen Heiningen haben wir ein schönes und fruchtbares Land bereist. Wir wurden im Gästehaus des EJ-YMCA in unmittelbarer Nähe des jahrtausendealten Hirtenfelds in Beit Sahour beherbergt, gastfreundlich umsorgt und über die breit aufgestellte Menschenrechtsarbeit und die pädagogische Arbeit des EJ-YMCA im „Heiligen Land“ informiert. Dafür sind wir dankbar. Darüber hinaus begegneten wir Palästinensern und Palästinenserinnen, die unter unerträglichen Umständen Kraft zur Hoffnung, zu verantwortungsvoller Arbeit und zu neuen Perspektiven aufbringen, als Gegenpol zur allgegenwärtigen Gewalt. Sie fragen nach unserer Solidarität.

Wir pilgerten im Schatten der landraubenden Befestigungsmauer (47% der Westbank sind für Palästinenser nicht mehr zugänglich, Tendenz steigend), besichtigten die Altstädte Ostjerusalem und Bethlehem, Brennpunkte (hotspots) in Hebron und den „gefährlichsten Ort in Bethlehem“, das AIDA Refugee Camp (Flüchtlingslager), zwischen Siedlung und Kaserne eingeklemmt. Beim Rundgang durch das Camp erfuhren wir von traumatisierenden Attacken auf seit 1948 vertriebene palästinensische Flüchtlingsfamilien. Die Soldaten aus der Nachbarschaft kommen tagsüber und nahezu jede zweite Nacht! Im Einsatz seien Scheinwerfer, Tränengas, Gewehrfeuer, bissige Hunde und die harten Kommandos der bis an die Zähne bewaffneten Soldaten. Zurück blieben aufgebrochene Haustüren, geprügelte und verzweifelte Mütter, schreiende Kinder und ab und an auch Tote. Abgeführte Sechsjährige (!) kämen anderntags verstört zurück. Jungens und Väter blieben länger inhaftiert. Wir sahen unfassbares Beweismaterial. „Offensichtlich wird das Flüchtlingscamp als Truppenübungsplatz missbraucht, auch zur Verrohung israelischer Rekruten“, kommentierten Mitglieder unserer Reisegruppe.

Nach dem Empfang mit Kardamomkaffee ackerten wir mit Pickel und Hacke. Unter dem Motto „Keep hope alive!“ (haltet die Hoffnung lebendig) pflanzten wir Olivenbäume und arbeiteten im Weinberg, umgeben vom Kreis illegaler Siedlungen. Wir trafen Bauernfamilien und engagierte Fachleute, palästinensische Christen verwurzelt in orthodoxen, römisch katholischen und protestantischen Gemeinden und ihre muslimischen Brüder und Schwestern. Sie verantworten und gestalten die Programme des EJ-YMCA vor Ort in Bethlehem, Beit Sahour, Jericho, Ramallah, Ostjerusalem und darüber hinaus in beeindruckender Vielfalt: Anwaltschaft für das palästinensische Volk, zu dem sie sich zählen; Rehabilitation, Bildung und Perspektive für behinderte oder in der Haft versehrte, traumatisierte Kinder und Jugendliche; Zusammenarbeit mit der palästinensischen Autonomiebehörde im Bereich Bildung (seit 1994); Bewirtschaftung von Farmland, das von Enteignung durch Siedlungen bedroht ist. Hinter der rasanten Ausbreitung illegaler Siedlungen steht die gegenwärtige Regierung Israels.

Wir besuchten ein überzeugend vorgehendes Frauen Entwicklungszentrum des YMCA in Ramallah mit dem Fokus auf Gleichheit vor dem Gesetz und Resilienz, d. h. psychische Widerstandskraft und die Fähigkeit Krisen dauerhaft zu überstehen. Man stellte uns die YMCA Arbeit in Berufsbildungs-, Reha- und Sportzentren vor. Wir trafen Mitarbeitende der Flüchtlings- und Traumaarbeit und verstanden ihre therapeutischen Ansätze, insbesondere in der Arbeit mit an Leib und Seele verletzten Kindern und Jugendlichen und mit ihren von Angst und Sorgen aufgeriebenen Müttern. Alles Weitere am 20. März, 20.00 Uhr im ökumenischen Gemeindehaus in Heiningen.                           Mitglieder der Reisegruppe

 

 

Den ausführlichen  Reisebericht der Gemeindereise im Feb. 2018 zum CVJM Ostjerusalem finden Sie hier zum Download:

Reisebericht Ostjerusalem

Reisebericht Ostjerusalem (englisch)